Auf der Suche nach einem Plan B

Filed in Initiativen, Natural Capital by on 24/11/2013
The Plan B Kick-Off Event in London

The Plan B Kick-Off Event in London

Im Juni haben Sir Richard Branson (Gründer der Virgin Group) und Jochen Zeitz (vormals CEO von Puma, heute Aufsichtsrat bei Kering) „The B Team“ ins Leben gerufen. Die globale, gemeinnützige Initiative hat sich nicht weniger zum Ziel gesetzt, als die gegenwärtige, profitgetriebene Wirtschaftskultur durch eine neue zu ersetzen, in der wirtschaftlicher Gewinn gleichberechtigt an einen sozialen und ökologischen Nutzen gekoppelt ist. Plan A, das Streben nach schnellem Profit, hat eine mächtige Weltwirtschaft hervorgebracht und die Lebensbedingungen einer wachsenden Anzahl Menschen zweifelslos verbessert. Plan A vernichtet aber auch natürliche Lebensräume im großen Stil, führt zu globalen Klimaveränderungen und schließt viele Millionen Menschen von den Gewinnen aus bzw. lässt sie unter unwürdigen Bedingungen leben und arbeiten. Vor allem aber erwirtschaftet „Business as usual“ seine Gewinne durch eine nicht nachhaltige Nutzung der Ressourcen unseres Planeten und beraubt sich dadurch selbst ihrer eigenen Grundlagen. Ein Plan B ist somit auch im Interesse der Unternehmen selbst. Deshalb versteht sich das B Team auch nicht als eine weitere NGO, die mit Apellen das System von außen ändern will. Es zielt vielmehr auf das Innere der Unternehmen – auf ihre Führungskräfte. So gehören zu der initialen Gruppe der „B Leaders“ neben Persönlichkeiten wie Gro Harlem Brundtland, Mary Robinson und Muhammad Yunus auch globale Wirtschaftsführer wie Paul Polman (Unilever) und Ratan Tata (Tata Group).

Langfristige Strategien statt kurzfristiger Gewinnmaximierung

Im Kern geht es der Initiative darum, die Fixierung der Unternehmen auf eine kurzfristige Gewinnmaximierung durch langfristige und nachhaltige Geschäftsstrategien zu ersetzen, die den Menschen nutzen, ohne dem Planeten zu schaden. Das Motto des B Teams – „People, Planet & Profit“ – mag nach einem alten Hut klingen, umso spannender ist die Strategie, mit der das Ziel erreicht werden soll. Im ersten Schritt will man sich vor allem auf drei Herausforderungen konzentrieren:

  1. „The future of leadership“: Forciert werden soll eine neue, integrative Art der Führung, die sich von moralischen Werten wie Fairness, Ehrlichkeit und Kreativität leiten lässt.
  2. „The future of incentives”: Gemeinsam mit Partnern sollen schädigende aber auch positive Subventionen identifiziert und Vorschläge für neue Leistungsanreize für Unternehmen und Angestellte entwickelt werden.
  3. „The future bottom line“:  Die Rechenschaftspflicht der Unternehmen soll erweitert werden und neben finanziellen Ergebnissen auch negative und positive Beiträge in Bezug auf Umwelt und Gesellschaft beinhalten.

The B Team, das von mehreren Stiftungen finanziert wird, möchte neue Lösungen nicht im Alleingang entwickeln, sondern sucht die Partnerschaft mit bereits bestehenden Organisationen wie dem  World Business Council for Sustainable Development und Ashoka. Man versteht sich vor allem als Katalysator und Verstärker für die Initiativen und Lösungen anderer und vertraut darüber hinaus auf den Einfluss der B Team Mitglieder, um die Agenda aktiv voranbringen zu können. Nicht zuletzt erwartet man von den Wirtschaftsvertretern in der Organisation, dass sie selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Sie stehen somit unter besonderer Beobachtung, wenn es um die Glaubwürdigkeit der Initiative geht. Das gilt auch für die zahlreichen Unternehmen der Virgin Group. Ihr Gründer, Richard Branson, betont in Interviews gerne, dass er inzwischen 80 % seiner Arbeitszeit für seine gemeinnützigen Initiativen wie den „Carbon War Room”, „The Elders” und „The Ocean Elders” verwendet. Genauso verweisen viele andere multinationale Konzerne – nach ihrer gesellschaftlichen Verantwortung befragt – auf ihre Stiftungen und gemeinnützigen Initiativen, während im Unternehmen selbst alle wichtigen Entscheidungen weiterhin nur mit Blick auf die nächsten Quartalszahlen getroffen werden. Diese alles dominierende Fokussierung auf kurzfristige wirtschaftliche Ergebnisse hat das B Team völlig zu Recht als eine der Hauptursachen der aktuellen wirtschaftlichen Fehlentwicklungen identifiziert. Somit ist es auch nicht wirklich überraschend, dass zu den wenigen Mitgliedern aus produzierenden Unternehmen Paul Polman von Unilever gehört, der sich nicht erst seit gestern öffentlich gegen die ‚Tyrannei der Quartalsberichte‘ ausspricht und langfristige Investoren als Anteilseigner für sein Unternehmen bevorzugt.

Die oben genannten Herausforderungen sind aus meiner Sicht auch genau der richtigen Hebel, um diese Entwicklung umzukehren. Ohne die Führungskräfte, die die Werte im Unternehmen vorgeben und darüber entscheiden, WIE Gewinn erwirtschaftet wird, geht es nicht. So lange die Firmenlenker aber auf das „System“ verweisen können und dass sie mit nicht nachhaltigen Praktiken nun mal den größten Gewinn erzielen, wird sich an ihren Entscheidungen nichts ändern. Man muss also auch die Politik mit ins Boot holen und dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen geändert und wirtschaftliche Praktiken, die Umwelt und Gesellschaft schaden, nicht auch noch belohnt werden. Und das funktioniert nur, wenn man die wahren Kosten des Wirtschaftens, die heute in keiner Bilanz auftauchen, sichtbar macht und die Kosten für die „Kollateralschäden“ der Gewinnmaximierung an Umwelt und Gesellschaft nicht länger der Allgemeinheit aufbürdet, sondern internalisiert.

Seit Jahrzehnten verwenden Wirtschaftsverbände und Lobbyisten viel Energie und Geld darauf, den Regierungen weltweit Zugeständnisse abzuringen, die „Busines as usual“ Praktiken weiter zementieren. Inzwischen ist es mehr als offensichtlich, dass solche Siege Pyrrhussiege sind, die kurzfristig wenigen nutzen, langfristig aber allen schaden, nicht zuletzt auch den vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, die das Rückgrat der meisten Volkswirtschaften bilden. Insofern kann man einer Initiative wie dem B Team, dass Wirtschafts-Lobbyismus neu definiert, nur viel Erfolg wünschen. Zu einem globalen Wirtschaftssystem, das finanziellen Erfolg an einen gesellschaftlichen Nutzen und die Bewahrung unseres Planeten in all seiner Vielfalt koppelt, gibt es keine Alternative, auch wenn die meisten Menschen ein solches System derzeit noch für unrealisierbar halten.

Elisabet Sahtouris bringt in ihrem Beitrag für Worldbusiness.org  die weit verbreitete Vorstellung, dass die natürlichen Ressourcen einfach nur eine Teilmenge unserer Wirtschaft sind, wieder in die richtige Perspektive, wenn sie schreibt:

„Earth’s ‘natural resources’ are not a subset of human economy; it is the other way around—human economy is a subset of Nature’s economy.”

 

 

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