Über Nachhaltigkeit

Image converted using ifftoanyDer inflationäre und auch manipulative Gebrauch des Begriffs nachhaltig scheint der Sache selbst eher einen Bärendienst zu erweisen. Während viele Verbraucher nur noch müde mit den Achseln zucken, definieren die meisten Unternehmen inzwischen selbst, was für sie nachhaltig ist.

Im Kern bedeutet Nachhaltigkeit, dass man nur so viel verbraucht, wie sich im gleichen Zeitraum wieder regenerieren kann. Das bezieht sich nicht nur auf nachwachsende Rohstoffe und Nahrungsmittel, sondern auch auf alle anderen Ressourcen wie Wasser, die Kapazität der Biosphäre Schadstoffe und Treibhausgase zu neutralisieren sowie auf die Lebensgrundlagen der Tier- und Pflanzenarten, mit denen wir die Erde teilen. Doch woher wissen wir, ob wir nachhaltig wirtschaften? Schon unsere Vorfahren haben neue Territorien erobert und Handel getrieben, um an zusätzliche Ressourcen zu kommen. Heute ist der ganze Planet ein einziges Warenlager, aus dem sich Unternehmen global bedienen. Doch wenn wir mit diesen Rohstoffen und Produkten Werte schaffen, werden gleichzeitig auch Werte vernichtet. Werte, die in keiner Bilanz auftauchen. Wenn ein Wald abgeholzt wird, ergibt sich sein Wert zum Beispiel aus dem Preis des Holzes, das am Markt verkauft wird. Vielleicht ist es auch der Wert des Bodens, der gewonnen wird, um von nun an Ölpalmen darauf wachsen zu lassen. Doch was ist mit dem Wert des Waldes als Filter für Luft und Wasser? Seinem Wert als Wasserspeicher, von dem Kommunen und die Landwirtschaft abhängig sind oder seinem Wert, Kohlendioxid aufzunehmen und Sauerstoff freizusetzen? Was ist mit dem Wert des Waldes als Lebensraum für Tiere und Pflanzen? Für viele Menschen ist der Wald ein wertvoller Lieferant von Nahrung und Feuerholz, für andere vor allem ein Ort der Erholung und Quelle der Inspiration. Unzählige großartige Ideen für technische Erfindungen oder wunderbare Werke der Kunst kamen Menschen während eines Waldspaziergangs. Die Aufzählung ist alles andere als vollständig und könnte so auch für alle anderen Ressourcen fortgesetzt werden, die wir verwerten, um einen ökonomischen Wert zu erzeugen.

So lange die wirtschaftlichen Aktivitäten auf einen geografisch überschaubaren Bereich beschränkt waren, konnte man theoretisch noch rechtzeitig erkennen, wenn etwas aus dem Gleichgewicht geriet und der Verbrauch die Regenerationsfähigkeit überstieg. (Obwohl, die Bewohner der Osterinsel waren angeblich auch überrascht, als plötzlich keine Bäume mehr da waren).  In unserer globalen Welt mag jeder einzelne Akteur, ob Produzent oder Konsument, der Meinung sein, dass er selbst nur einen minimalen Einfluss hat, klein genug, um keine großen Ungleichgewichte zu erzeugen. Eine Gesellschaft mit 7 Milliarden Menschen und einer Wirtschaft, die sich dem Wachstum verpflichtet hat, erzeugt in der Summe aber schnell fatale Folgen, die nicht mehr reversibel sind. Diese Ungleichgewichte global und lokal zu erkennen und wieder auszugleichen, ist die große Herausforderung der Nachhaltigkeit.

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